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Vermesser 31x71cm, 2013
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MANFRED BLESSMANN

Studium in Hamburg und Berlin, Meisterschüler bei Peter Janssen. Nach dem Studium an vielen Orten mit Restaurations- und Rekonstruktionsarbeiten betraut so z.B. im Schloss Charlottenburg Berlin oder in der Bischmisheimer Schinkelkirche (Saarland). Deckenbilder in Berlin bei Synanon International und dem Theater des Westens wie auch der Villa Viva in Portugal. Neben den künstlerischen Arbeiten auch als Dozent an der Hochschule der Künste Berlin gewesen und an der Volkshochschule Berlin. Und wenn sie im Internet googlen, finden sie ihn auch als Schauspieler in einer Kinofilmrolle

Ob Objekte, Reliefs oder Gemaltes - es sind anscheinend künstliche Welten, die sich mit Leuchtfarbe und dominantem Rosarot auch als solche deklarieren.

Befremdlich, futuristisch und auch bedrohlich erscheinen die Objekte der Röhren und aufgeblasenen Schläuche. Krankenhausinventar, der Tropf zum Überleben oder nutzlose Laborgerätschaften? Ironisch überzeichnete Reagenzien, in denen künstliches Leben wächst oder Klone entstehen? Wohl von alledem etwas. Unserem materiellen Nichtgenugkriegen entspricht unser Drang nach Überwindung der Endlichkeit. Die Gentechnik gibt uns an dieser Stelle ein trügerisches Versprechen.

Das Bedrohliche in Manfred Blessmanns Objekten verweist auf uns selbst. Gefahr ist der Mensch dem Menschen. Unsere technischen Hilfmittel haben uns zu beherrschenden Lebewesen gemacht, aber sie treiben uns inzwischen zu mentalen Geschwindigkeiten, die das menschliche Maß verlassen. Der Mensch macht sich die Erde untertan und hängt doch selbst am Tropf.

Wißbegier oder Nicht genug kriegen?

Visionen und Signale von Schönheit und Bedrohlichkeit gleichermaßen. Man trifft auf Unerwartetes, Befremdliches, Randloses, wie aus einem Alpenkiosk oder einem kirchlichen Kitschbüdchen, auch anderes golden Umrandetes, viel Rosarotes mit Sinn für Halbseidenes, Humor und Spiel, spontane Einfälle, Ironie, Nachdenkliches und äußerst Korrektes. Denn, Manfred Blessmann ist eben auch ein unbestechlicher Analytiker, der die Differenz zwischen Natur und Kultur bis an die Grenze des Geschmacks witzig und ironisch zum Programm erhoben hat. Aus dem Verlust der Nähe resultierende Bedrohung der Natur und der Gefährdung für den Menschen.

So mannigfaltig die Materialien und die Oberflächen sind - von der herkömmlichen Malerei bis zum Isolierdraht und zum verkohlten Holz - an bestimmten farblichen Vorlieben ist Blessmann stets wiederzuerkennen. Dominant ist ein Rosarot, das an Fleisch und zugleich an Sonnenuntergang denken lässt, dabei aber stets seine chemische Herkunft einschließlich der Warnung vor Giftigkeit nicht verleugnet. Schmerzlich wird die Entfernung von der Natur bewusst. An ihren Verlust wird erinnert, wenn etwa ein Zweig seiner Rinde entkleidet und stattdessen mit einer schillernden Farbhaut überzogen oder vergoldet wurde. Einmontierte Kunstblumen insistieren auf ihrem Surrogatcharakter. Kunst ist eben auch Prothese. Dieser malende Einzelgänger, dem Modetrends stets suspekt gewesen sind, ist indessen weit davon entfernt, sich dieser Realität anzubiedern. Er impft uns mit ihr, um unser Immunsystem zu kräftigen.

Vita
Biografie: 11.2.1941 Hamburg. Studium: 1962-64 Hochschule der Künste Hamburg, Malerei, 1964-70 HdK Berlin, Malerei, Meisterschüler bei P. Janssen; Bildender Künstler.

Lehrtätigkeit: 1974-76 Dozent VHS Kreuzberg, 1978 HdK Berlin, Abt.IV

Studienreisen u.a.: UdSSR, USA, Italien, Spanien

Arbeitsgebiete: Zeichnung, Malerei, Wand- und Deckenbilder, Skulptur und Fotografie

Werkstandorte: Berlin: Artothek, Stadtmuseum; Ver.di, Synanon Deckenbild, Theater des Westens Deckenbild. Bonn: Haus der Geschichte. Portugal, Armacao de Pera : Deckenbild in Villa Viva.

Auswahl Einzelausstellungen: 1975 Majakowski Galerie Berlin, 1991 Galerie am Chamissoplatz Berlin, 1992 Galerie Johannes Peter Berlin, 1995 Galerie Nr.9 S´Arraco, Mallorca, 1996 u. 2004 Galerie Bremer Berlin, 1998 Kunstamt Charlottenburg, 2002 Raab Galerie Berlin, 2005 ver.di-Bildungsstätte Mosbach,2006 Alte Feuerwache Köln, 2008 Georgia Galerie Berlin,2009 Rathaus Heiligenhafen, 2011 Buchhändler-keller Berlin, GilgameschProjekt. Auswahl Ausstellungsbeteiligungen: 1969 Berlin Intergrafik, 1973 Kunstverein Trier, 1983 Brunswicker Pavillon Kiel, 1990 Dialog Berlin-Berlin, 1994 Haus am Lützowplatz Berlin, 2006 Kunstforum Berlin u. Kunstamt Charlottenburg.

Bibliografie: Kataloge, Besprechungen in der Tagespresse, L. Dehlinger: Die zeitgenössischen Deckenbilder im Schloß Charlottenburg und ihre Folgen, Gebr. Mann Verlag, Berlin 1997.

Förderung des Kunstbuches „Gilgamesch“ durch die Montag Stigtung, Bonn